Festpreis oder Stundensatz für Webdesign?
Das wichtigste Verhandlungs-Detail, das in Angeboten oft erst auf Seite zwei steht. Welches Modell tragen Sie als Auftraggeber besser — und welches Modell ist eine versteckte Falle?
Die beiden Modelle in einem Satz
Festpreis: Der Anbieter sagt vor Projektstart, was das Projekt kostet. Der vereinbarte Betrag gilt unabhängig davon, wie viele Stunden tatsächlich anfallen.
Stundensatz: Der Anbieter verrechnet die tatsächlich geleisteten Stunden zu einem vereinbarten Satz. Die Endsumme ist im Vorhinein nur geschätzt, nicht garantiert.
Wer das Risiko trägt — der zentrale Unterschied
Beim Festpreis trägt der Anbieter das Risiko von Mehraufwand. Wenn er sich um 30 Prozent verkalkuliert, ist das sein Verlust. Beim Stundensatz trägt der Auftraggeber das Risiko. Wenn das Projekt 30 Prozent länger dauert, zahlen Sie 30 Prozent mehr.
Das klingt nach einer reinen Risikoverteilung — ist aber asymmetrisch. Der Anbieter kennt sein Gewerk, kann Aufwand realistisch einschätzen und schliesst Reserven ein. Der Auftraggeber kennt das Gewerk meist nicht und kann nicht beurteilen, ob 60 verrechnete Stunden für eine 5-Seiten-Site fair sind oder ob da unnötig verlängert wurde.
Konkretes Rechenbeispiel
Angenommen, Sie wollen eine 5-Seiten-Firmen-Website bauen lassen.
| Szenario | Stundensatz CHF 120 | Festpreis |
|---|---|---|
| Geschätzt 40 h, läuft genau | CHF 4'800 | CHF 4'800 (gleich) |
| Geschätzt 40 h, dauert 55 h | CHF 6'600 (+38 %) | CHF 4'800 (unverändert) |
| Geschätzt 40 h, dauert 75 h | CHF 9'000 (+88 %) | CHF 4'800 (unverändert) |
| Geschätzt 40 h, dauert nur 30 h | CHF 3'600 (–25 %) | CHF 4'800 (unverändert) |
Erkenntnis: Im realistischen Fall (Projekt dauert länger als geschätzt — das ist der Normalfall in 70 Prozent der Webprojekte) zahlen Sie mit Stundensatz deutlich mehr. Im seltenen Fall, dass es schneller geht, sparen Sie ein bisschen. Das Risikoverhältnis ist klar asymmetrisch zu Ihren Lasten.
Wann Festpreis funktioniert (und wann nicht)
Festpreis funktioniert bei…
- Standardisierten Projekttypen: KMU-Websites, Landing-Pages, einfache E-Commerce-Shops, Praxis-Websites
- Klarem Briefing: was gebaut wird, ist vor Projektstart definiert
- Erfahrenen Anbietern: wer 50+ ähnliche Projekte gebaut hat, kann Aufwand realistisch einschätzen
- Begrenzten Korrekturschleifen: 2–3 Iterationen sind im Preis, danach kostet jede Schleife extra
Festpreis funktioniert nicht bei…
- Forschungs- oder Entdeckungs-Projekten: niemand weiss vorher, was gebaut werden muss
- Laufender Wartung und Weiterentwicklung: Tagesgeschäft ohne klares Ende
- Sehr komplexen, einzigartigen Projekten: Plattformen, Spezial-Software, individuelle Integrationen
- Unentschiedenen Kunden: wenn das Briefing während des Projekts dreimal kippt, bricht Festpreis
Warnsignal in Angeboten: Wenn ein Angebot weder fixe Endsumme noch eine verbindliche Maximalsumme nennt, sondern nur "Schätzung X Stunden zu Y CHF", liegt das Risiko zu 100 Prozent bei Ihnen. Verlangen Sie eine Maximalsumme oder eine explizite Liste, was nachträglich extra kostet.
Was ein guter Festpreis-Vertrag enthalten muss
Festpreis ohne klares Pflichtenheft ist eine Falle in beide Richtungen. Was im Vertrag stehen muss:
- Genau definierter Leistungsumfang: Seitenzahl, Sprachen, Funktionen, integrierte Dienste (Analytics, CRM, Buchung).
- Anzahl Korrekturschleifen: typisch 2–3, jede weitere extra mit definiertem Stundensatz.
- Verbindlicher Liefertermin: mit Konsequenz bei Verzug (oft Geld-zurück bei Anzahlung).
- Was nicht im Preis ist: Stockfotos, Texte schreiben lassen, Übersetzungen, Fotoshootings, externes CMS.
- Stundensatz für nachträgliche Änderungen: nach Live-Gang, transparent benannt.
- Quellcode-Eigentum: wem die Site nach Bezahlung gehört, ob Migration möglich ist.
Wie lie-one es macht
Wir arbeiten mit vier Festpreis-Paketen: Starter (CHF 490), Pro (CHF 890), Business (CHF 1'890) und Custom nach Briefing. Liefergarantie 14 Tage oder Anzahlung zurück. Inhalts-Updates nach Live-Gang sind im monatlichen Wartungspaket enthalten — keine Stunden-Mikro-Abrechnung. Quellcode gehört dem Kunden.
Was diese Festpreise möglich macht: wir haben einen standardisierten Build-Prozess, einen schlanken Tech-Stack und keinen Agentur-Overhead. Im Gegenzug machen wir keine Logo-Entwicklungen, keine Print-Kampagnen, keine Social-Media-Betreuung — nur Websites, dafür aber im verbindlichen Festpreis.
Wann Sie trotzdem zu Stundensatz greifen sollten
Stundensatz ist nicht per se schlecht. Folgende Situationen sprechen dafür:
- Laufende Wartung und Optimierung einer bestehenden Site, ohne klare Endpunkt-Definition.
- Forschungs-Phase in einem neuen Geschäftsfeld, wo noch niemand weiss, was die Website können muss.
- Sehr individuelle Spezialprojekte, die kein Anbieter mit gutem Gewissen Festpreis kalkulieren kann.
- Vertrauensvolle Partnerschaft über mehrere Jahre mit transparenter Stunden-Erfassung.
Im typischen KMU-Webprojekt mit definiertem Briefing trifft aber keiner dieser Punkte zu — und dann ist Stundensatz fast immer das schlechtere Modell für den Auftraggeber.
Häufige Fragen
Sind Stundensätze unter CHF 80 ein gutes Zeichen?
Eher nicht. Wer in der Schweiz oder Liechtenstein für CHF 60–70/Stunde anbietet, hat entweder gerade angefangen oder spart an wichtigen Stellen — vielleicht an Hosting, Sicherheit oder DSGVO. Festpreis macht das Stundensatz-Spiel irrelevant, weil Sie nur das Ergebnis kaufen.
Was ist mit Hybrid-Modellen?
Manche Anbieter machen den Bau zum Festpreis und die spätere Wartung im Stundensatz. Das ist sinnvoll — solange klar definiert ist, was "Wartung" umfasst und was nicht.
Kann ich nachverhandeln, wenn der Stundensatz-Schätzwert überschritten wird?
Ja, sollten Sie auch. Lassen Sie sich frühzeitig melden, wenn der Aufwand die Schätzung übersteigt. Eine seriöse Anbieterin meldet sich bei 80 Prozent der Schätzung, nicht bei 150 Prozent.
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